Mutmacher-Geschichten

Patienten und Besucher

An dieser Stelle erzählen wir Ihnen persönliche Geschichten von Patientinnen und Patienten, denen wir im Rotes Kreuz Krankenhaus helfen konnten. Geschichten, die Mut machen.

„Ich hatte volles Vertrauen zu Dr. Trösch und seinem Team“

Erstmalig implantiert ein OP-Team des Rotes Kreuz Krankenhaus in Bremen eine komplette Aortenbogenprothese minimalinvasiv. Eine Meilenstein-Operation im Aortenzentrum.

Der 29. Januar 2025 ist ein Tag, den weder Diethelm B. noch Dr. Frank Trösch und das Operationsteam im Rotes Kreuz Krankenhaus so schnell vergessen werden. Erstmalig wird in Bremen eine komplette Aortenbogenprotese endovaskulär minimalinvasiv eingesetzt. Die Gefäßexperten Dr. Frank Trösch, heute Chefarzt der Klinik für Gefäßmedizin und Leiter des Aortenzentrums, sowie Bernhard Schmuck, Leitender Arzt der Angiografie und Interventionellen Radiologie, setzen Diethelm B. eine individuell gefertigte Gefäßprothese per Katheter über die Leiste sowie weitere kleine Zugänge vom Hals aus ein. Ein Aneurysma im Aortenbogen, wie bei Patient Blome diagnostiziert, kommt äußerst selten vor.

Zeitsprung: April 2024. Die Stimme von Diethelm B. hat sich verändert, sie klingt immer heiserer, das Sprechen fällt ihm schwer. Der Hals-Nasen-Ohrenarzt stellt eine Entzündung des linken Stimmbands fest und veranlasst eine Computertomografie (CT) der Lunge. Statt damit den Verdacht einer Lungenentzündung auszuschließen, finden die Radiologen ein gefährliches Aneurysma. Die Gefäßaussackung befindet sich im Aortenbogen, in unmittelbarer Nähe des Herzens und der Abzweigungen der Arterien, die auch Arme und Gehirn mit Sauerstoff versorgen. Platzt ein Aneurysma, ist das häufig tödlich. Eine große offene Operation kommt für den 76-Jährigen, der an einer chronischen Lungenerkrankung leidet, nicht infrage. Bei dieser OP müsste in Vollnarkose das Brustbein längs durchtrennt, ein Herzstillstand herbeigeführt und der Patient von 37 auf circa 25 Grad Körpertemperatur, manchmal auch auf 18 Grad, abgekühlt werden, um den Sauerstoffverbrauch der Organe zu senken.

Neben einem künstlichen Koma wäre außerdem der Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine notwendig, damit der lebenswichtige Blutkreislauf während der Operation nicht unterbrochen wird«, erklärt Dr. Trösch. Gerade für ältere und vorerkrankte Patient:innen ist dieses Vorgehen sehr belastend – und manchmal schlicht nicht möglich. »Die minimalinvasive Alternative zu dieser OP führen in Deutschland bisher nur wenige Kliniken durch, die über das entsprechende Know-how und die technischen Voraussetzungen für so komplexe Eingriffe an der Hauptschlagader verfügen. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir hier im RKK ein so erfahrenes und versiertes Team haben, das diese Eingriffe in Bremen sicherstellen kann«, betont der Chefarzt.

Nach sorgsamer medizinischer Abwägung und Gesprächen innerhalb der Familie steht für Diethelm B. die Entscheidung für den Eingriff fest. Am 29. Januar 2025 ist es so weit: Über kleine Hautschnitte in der Leiste, am Hals und unterhalb des rechten Schlüsselbeins führen Dr. Trösch und Radiologe Bernhard Schmuck Schleusensysteme in die freigelegten Schlagadern ein. Über die Leistenschlagader schieben sie einen Metalldraht bis in die linke Herzkammer vor. Dann setzen sie unter Röntgendurchleuchtung und Kontrastmittelgabe millimetergenau die speziell angefertigte Gefäßprothese (Stentgraft) im Aortenbogen ein. Sie sitzt perfekt. Anschließend führen die Experten über Zugänge in den Halsschlagadern zusätzlich auch hier kleine Stentgrafts ein und verbinden diese mit der Hauptprothese. Durch das Aufdehnen der Stents mit einem Ballonkatheter entsteht eine blutdichte Verbindung. Der gesamte Eingriff verläuft erfolgreich.

»Meine Frau hätte zwar am liebsten mit im OP gesessen und aufgepasst – aber das konnten die Ärzte ihr gerade noch ausreden«, erinnert sich Diethelm B. rund ein halbes Jahr nach dem Eingriff schmunzelnd. »Es geht mir gut«, sagt der Fußballfan. Am Wochenende kann er seinen Sohn beim TuS Komet Arsten wieder anfeuern. Er genießt seine Radtouren im Bremer Süden, die Gesellschaft der sechs Enkelkinder und freut sich auf den nächsten Urlaub mit seiner Frau.

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