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September 2002
Siegfried Zademack und Ursula Rauch
Körper. Käfige. Kokons.

Werke der Bremer Künstler Siegfried Zademack und Ursula Rauch regen zur Auseinandersetzung mit eigenen Handicaps an
Auf den ersten Blick scheinen die surrealen Ölgemälde von Siegfried Zademack und die keramischen Skulpturen von Ursula Rauch grundverschiedenen zu sein. Und doch weisen die Arbeiten der beiden Bremer Künstler eine wesentliche Gemeinsamkeit auf: Ihr Thema ist die Auseinandersetzung mit den Grenzen des Körpers. Unter dem Titel „Körper, Käfige, Kokons“ zeigt die achte Kunstpräsentation im Café K des Roten Kreuz Krankenhaus Bremen ab dem 5. September 35 neuere Arbeiten von Zademack sowie neun glasierte Torsi der an Parkinson erkrankten Künstlerin Ursula Rauch.
Siegfried Zademack – Surreale Körper vor norddeutscher Landschaft
„Die Dinge haben die Tendenz, schlecht auszugehen“, pflegte der berühmte Cellist Paul Tortelier zu sagen. Von dieser Fatalität ist das Zademacksche Werk geprägt. Inspiriert von Max Ernst, Salvador Dali und René Magritte, den großen Meistern des Dadaismus und Surrealismus, entwickelte der Künstler seinen eigenen, unverwechselbaren Stil: Visionäre Bildererfindungen, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschmelzen. Körper werden durch Prothesen verfremdet und mit schweren Gewichten in die Tiefe gezogen. Im Kontrast dazu: die Weite der norddeutschen Landschaft im Hintergrund. Dem Schicksal ausgeliefert, ist aber nicht nur der Mensch, sondern auch unbelebtes Material: Mit einer verblüffenden maltechnischen Brillanz zeigt Siegfried Zademack die Korrosion eines Stückes Mauerwerk oder Blech.
Ursula Rauch – körperliche Kompromisse
Ursula Rauch lebt und arbeitet in Worpswede. „Ich liebe Dinge, die eine große Ruhe ausstrahlen und doch lebendig sind“, erklärt sie heute ihre Hinwendung zur Keramik vor mehr als 30 Jahren. Aus der Leidenschaft wurde eine Profession: In einzigartiger Technik formt sie Skulpturen und Gegenstände mit großer Wirkungskraft. In der ausgestellten Reihe „Die Auseinandersetzung mit einem Handicap“ zeichnet die an Parkinson erkrankte Künstlerin verschiedene Stadien ihres Leidens nach. „Über diese Arbeit ist es mir gelungen, das eigene Schicksal zu akzeptieren.“ Die neun glasierten Torsi spiegeln Rauchs Gefühle und Erfahrungen wider und fordern den Betrachter auf, sein eigenes „Handicap“ lebensbejahend anzunehmen.
Obwohl die Werke beider Künstler von Krankheit, Zerstörung und Verfall geprägt sind, geht von ihnen eine Faszination, eine andere Schönheit aus. Sie lassen tief in die künstlerische Seele blicken und setzen so beim Betrachter starke Emotionen frei: Betroffenheit, Beklemmung und Befreiung.
Die Ausstellung wurde in Kooperation mit Sabatier Galerie & Kunsthandel realisiert. Die Eröffnung findet am 5. September um 16 Uhr im Café K im Roten Kreuz Krankenhaus Bremen statt. Ein Großteil der Kunstwerke sind käuflich zu erwerben. Ein für die Ausstellung eigens angefertigter Katalog in Postkartenform sowie Preislisten sind vor Ort erhältlich.
Ausstellung „Körper, Käfige, Kokons“
Eröffnung am 5. September 2002, 16 Uhr
Café K, Rotes Kreuz Krankenhaus Bremen, St.-Pauli-Deich 24, 28199
Bremen
