Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin

Leistungsspektrum

Unsere Klinik versorgt alle 11 anästhesiologischen Arbeitsplätze der operativen und konservativen Disziplinen sowie die interdisziplinäre operative Intensivstation, die Intermediate Care Station, den Aufwachraum und die OP-Holding mit insgesamt 22 Betten.

Die Versorgung der Notfallpatienten im Rotes Kreuz Krankenhaus und unser Schmerzdienst vervollständigen das Aufgabenspektrum der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin.


Patientenwegweiser Narkose

Bevor Sie sich einem chirurgischen Eingriff unterziehen, ist ein Gespräch mit einem Anästhesisten notwendig, bei dem wir uns mit Ihrer Krankengeschichte vertraut machen und Sie über die Narkose informieren können. In der so genannten Prämedikationssprechstunde betreut Sie dazu ein wechselndes Team aus Ärzten der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin.

Vor dem Eingriff: Die Prämedikationsambulanz

Das Prämedikationsgespräch hat gegenüber dem Besuch des Anästhesisten bei Ihnen auf dem Krankenzimmer den Vorteil, möglichst wenig störende Einflüsse zu haben und Ihre Privatsphäre besser wahren zu können. Leider ist es nicht immer möglich, dass Sie vor dem Eingriff mit demjenigen Anästhesisten sprechen, der später vor der OP Ihre Narkose durchführen wird. Wir versichern Ihnen, dass die Informationen, die Sie uns während Ihres Gesprächs geben, komplett weitergegeben werden. Zunächst werden wir Sie bitten, einen Narkosefragebogen auszufüllen. Dieser dient dem Narkosearzt als Grundlage für die Erhebung IhrerKrankengeschichte und soll Sie mit dem Thema Anästhesie vertraut machen.

Wenn Sie weitere Fragen zu der Art der Narkose haben, werden diese natürlich im Gespräch beantwortet. Falls Sie einen Anästhesieausweis besitzen, bringen Sie diesen bitte zu dem Gespräch mit. Mithilfe Ihrer Unterlagen wird das für Sie optimale Narkoseverfahren in Abhängigkeit derOperation evaluiert. Ggf. sind auch weitere Untersuchungen (EKG, Röntgen Thorax, Lungenfunktion, Blutuntersuchungen, Vorstellung beim Kardiologen) nötig, um für Sie das Narkose- bzw. Operationsrisiko zu minimieren. Eine körperliche Untersuchung dient unter anderem dazu, Herzgeräusche zuhören bzw. die „Lunge abzuhorchen“.

Zusätzlich besprechen wir mit Ihnen einige wichtige Verhaltensregeln vor der Narkose

  • Sechs Stunden vor der Anästhesie nichts mehr essen inkl. Milch und Getränke mit festen Bestandteilen.
  • Zwei Stunden vor der Anästhesie nichts mehr trinken (Ausnahme: etwas Wasser in Verbindung mit der Vorbereitungstablette).
  • Am Anästhesietag nicht rauchen.
  • Bitte schminken Sie sich ab (Make-up, Nagellack etc.) und tragen Sie keinen Schmuck.
  • Kontaktlinsen dürfen nicht mit in den OP bzw. Untersuchungsraum genommen werden, Brillen nur bei starker Fehlsichtigkeit.
  • Lassen Sie gegebenenfalls auch Zahnteile (Zahnprothesen), künstliche Haarteile sowie andere Prothesen auf Station zurück. Ausnahmen sind in Rücksprache mit dem Anästhesisten möglich.
  • Wenn Sie morgens Medikamente einnehmen, besprechen Sie bitte mit Ihrem Anästhesisten, welche Medikamente Sie morgens vor der Anästhesie einnehmen können oder sogar sollen.

Ablauf der Narkose

Kurz vor Beginn Ihres Eingriffes werden Sie in einem speziellen Raum, dem Einleitungsraum, von Ihrem Anästhesisten und dem Anästhesie-Pflegepersonal erwartet. Wir schließen Sie an die Überwachungsgeräte an, das heißt, Sie tragen einen Sauerstoff-Sättigungsmesser an einem Finger und eine Blutdruckmanschette am Arm. Außerdem wird ein EKG angebracht. Anschließend bekommen Sie einen venösen Zugang am Handrücken oder am Unterarm.

Die verschiedenen Narkoseverfahren

Die Vollnarkose ist am ehesten mit einem ganz besonders tiefen Schlaf vergleichbar, herbeigeführt durch Medikamente. Bei der Regionalanästhesie wird die Schmerzempfindung nur in einer bestimmten Körperregion ausgeschaltet. Im Gegensatz zur Vollnarkose ist man während der Operation wach und ansprechbar.

Die Vollnarkose

Die Vollnarkose stellt einen durch Medikamente herbeigeführten Zustand dar, der am ehesten mit einem ganz besonders tiefen Schlaf vergleichbar ist. Vor der Narkose bekommen Sie üblicherweise, meist noch auf der Station, eine Beruhigungstablette. Danach werden Sie in den OP-Bereich, zunächst in die sogenannte Holding gebracht. Wenn dann die Beruhigungstablette anfängt zu wirken, kommen Sie in den Einleitungsraum, hier wird mit der Narkose angefangen. Dies geschieht normalerweise durch Einspritzen eines schnell wirkenden Einschlafmittels über den vorher angelegten Venenzugang. Die Narkose führen wir dann über das weitere Zuführen von Medikamenten über die Vene (intravenöse Narkose) oder über den Zusatz von Narkosegas (Gasnarkose) zur Atemluft so lange fort, wie es der operative Eingriff erfordert. Zum Zuführen der Atemluft kann eine Beatmungsmaske, die auf das Gesicht aufgesetzt wird, verwendet werden oder eine sogenannte Larynxmaske, die in den Rachen eingeführt wird oder ein sogenannter Tubus in der Luftröhre.

Während der Narkose überwachen unsere Anästhesisten ununterbrochen wichtige Organfunktionen, beispielsweise Puls, Blutdruck, Atmung, Herztätigkeit und die Sauerstoffversorgung des Blutes. Hierdurch können eventuelle Störungen von Organfunktionen schnell erkannt und entsprechend behandelt werden. Weiterhin sorgt der Anästhesist dafür, dass Sie während des gesamten Eingriffs tief schlafen und keine Schmerzen empfinden.

Nach Ende des Eingriffs beenden wir die Zufuhr des Narkosemittels und Sie erwachen aus der Narkose. In der Regel bleiben Sie noch einige Zeit im Aufwachraum, bis sichergestellt ist, dass alle wichtigen Organfunktionen stabil sind und Sie ausreichend wach sind. In besonderen Fällen kann es nach einer Operation notwendig sein, Sie über einen gewissen Zeitraum auf eine Intensivstation zu verlegen. Hier stehen die notwendigen Geräte und qualifiziertes Personal zur Verfügung, um Ihre Überwachung und medizinische Versorgung rund um die Uhr sicherzustellen.

Die Regionalanästhesie

Bei der Regionalanästhesie wird die Schmerzempfindung nur in einer bestimmten Körperregion ausgeschaltet. Im Gegensatz zur Vollnarkose ist man während der Operation wach und ansprechbar. Wem diese Vorstellung unangenehm ist, der kann durch ein leichtes Beruhigungs- oder Schlafmittel in einen Dämmerschlaf versetzt werden und bekommt von der Operation nichts mit.

Man unterscheidet die rückenmarksnahen Anästhesieverfahren (Spinalanästhesie und Epiduralanästhesie) von den peripheren Nervenblockaden (Plexusanästhesie). Erstere erlauben auch Operationen im unteren Bauchbereich, letztere sind vor allem für Eingriffe an Armen und Beinen geeignet. Gegenüber der Vollnarkose hat die Regionalanästhesie den Vorteil, dass nicht der gesamte Organismus mit Medikamenten belastet wird.

Die so genannte Spinal- / Epiduralanästhesie ermöglicht schmerzfreie Eingriffe am Unterbauch, im Beckenbereich und an den Beinen. Nach einer örtlichen Betäubung führt der Anästhesist eine dünne Nadel in Ihren Rücken ein, und zwar in einen Zwischenwirbelraum der unteren Lendenwirbelsäule. Da in diesem Bereich kein Rückenmark mehr vorhanden ist, ist die Irritation einzelner Nerven zwar möglich, das Rückenmark kann jedoch nicht verletzt werden. Der Anästhesist spritzt dann ein örtliches Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) in den mit Nervenflüssigkeit gefüllten Raum der Lendenwirbelsäule ein (Liquorraum). Kurz nach dem Einspritzen verspüren Sie ein Wärme- und Taubheitsgefühl in den Beinen und können diese bald nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr bewegen. Dies ist ein sicheres Zeichen der Wirkung. Abhängig vom verwendeten Medikament hält dieser Zustand etwa zwei bis acht Stunden an. Sollte die Wirkung einer Spinalanästhesie zur Operation nicht ausreichen, so ist ein Wechsel zur Allgemeinanästhesie jederzeit möglich.

Mit der Plexusanästhesie schaltet Ihr Anästhesist nur das Schmerzempfinden in Ihrem Arm oder Ihrer Schulter aus. Das Nervengeflecht, das Schulter bzw. Arm versorgt (Armplexus), wird durch Einspritzen eines Lokalanästhetikums vorübergehend betäubt. Sie bleiben bei Bewusstsein, verspüren aber keinen Schmerz. Bei Eingriffen an Hand, Unterarm und Ellenbogen erfolgt die Betäubung am ehesten in der Achselhöhle (axilläre Plexusanästhesie), bei Eingriffen an Oberarm oder Schulter erfolgt die Betäubung entweder unterhalb des Schlüsselbeins (infraklavikuläre Plexusanästhesie) oder am Hals (interscalenäre Blockade).

Eine Besonderheit ist die Möglichkeit der Regionalanästhesie bei Operationen an der Halsschlagader. Hier wird unter Sicht durch ein Ultraschallgerät ein Nervengeflecht unterhalb der Halsschlagader, die Halsschlagader selbst und der Bereich des chirurgischen Schnittes mit einem Lokalanästhetikum betäubt. Der große Vorteil der Regionalanästhesie bei diesen Operationen ist Ihre Wachheit, die bei Problemen während der Operation ein sofortiges Erkennen und Eingreifen ermöglicht.

Schmerztherapie zur Operation: Der Perioperative Schmerzdienst (POSD)

Anhand der zu erwartenden Schmerzen haben wir für jede Operation, die in unserem Krankenhaus durchgeführt wird, einen speziellen Plan zur Bekämpfung der Schmerzen aufgestellt, die durch die Operation entstehen. Zur Schmerzunterdrückung setzen wir Schmerzmittel ein, die sich aus verschiedenen Medikamentengruppen zusammensetzen und zu vorgegebenen Zeitpunkten gegeben werden. Hierzu gehören verschiedene Opioide, z.B. Piritramid, Oxycodon oder Tilidin, die mit nicht-Opioid-Schmerzmitteln kombiniert werden. Dazu gehören Medikamente wie Paracetamol, Metamizol, Diclofenac oder Ibuprofen. Bei bestimmten, besonders bei großen und schmerzhaften Eingriffen, werden zur Schmerzunterdrückung Schmerzkatheter eingesetzt. Die Verfahren entsprechen im Wesentlichen der Regionalanästhesie, nur das statt der einmaligen Nervenblockade hier über einen Katheter mehrere Tage lang kontinuierlich ein den Schmerz leitender Nerv betäubt werden kann.

Um die Therapie auf den einzelnen Patienten zugeschnitten durchführen zu können, haben wir speziell ausgebildete Pflegekräfte aus der Anästhesie- und Intensivpflege, die Patienten mit Katheterverfahren oder mit Schmerzen nach der Operation betreuen. Durch diese von uns „perioperativer Schmerzdienst (POSD)“ genannten Pflegekräfte werden die Patienten zweimal täglich besucht und die Schmerztherapie auf die aktuellen Bedürfnisse angepasst.

Ziel ist die Verringerung bis Ausschaltung der Schmerzen. Parallel dazu erreichen wir durch die verbesserte Schmerztherapie unter anderem ein besseres Abhusten, also weniger Lungenkomplikationen, eine frühere Mobilisierung und Nahrungsaufnahme und erheblich zufriedenere Patienten.


Häufig gestellte Fragen zur Anästhesie/ FAQ

Warum darf ich vor der Operation nichts essen und trinken?

Durch die Allgemeinanästhesie werden neben dem Bewusstsein und der Schmerzempfindung auch die Schutzreflexe (z.B. Schluck- und Hustenreflex) ausgeschaltet. Es besteht daher die Gefahr, dass Mageninhalt in den Rachen gelangt, eingeatmet wird und eine Lungenentzündung hervorruft. Durch die Nüchternheit ist der Magen zur Operation leer und das Risiko dass Mageninhalt in den Rachen gelangt geringer.

Wache ich während der Operation wirklich nicht auf?

Ihr Anästhesist überprüft während der Operation ständig die Vitalfunktionen (Blut-druck, Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung) und die Narkosetiefe, die er sehr genau einstellen kann. Sie brauchen sich also keine Sorgen zu machen, dass Sie während der Untersuchung oder der Operation wach werden. In vielen Fällen messen wir mit einem speziellen Gerät die Narkosetiefe, so dass ein Erwachen ausgeschlossen werden kann.

Wie stark werden meine Schmerzen nach der Operation sein?

Schmerzen nach einer Operation sind nicht vollständig zu vermeiden, sie können aber heute auf ein erträgliches Maß begrenzt werden. Deswegen setzen wir Schmerzkatheter und Schmerzmittel ein, die auch noch nach der Operation wirken und so eine Verringerung der Schmerzen auf ein mindestens verträgliches Maß ermöglichen.

Kann es passieren, dass ich nicht mehr aufwache?

Die Anästhesie ist heute so sicher wie nie zuvor. Dennoch können in seltenen Fällen Komplikationen auftreten. Das Risiko hierfür wird weniger von der Anästhesie selbst, als vielmehr von Begleiterkrankungen des Patienten und von der Art der Operation bestimmt. Für körperlich belastbare Patienten, die sich einem begrenzten Eingriff unterziehen müssen, ist das Risiko äußerst gering.

Kann mir nach der Operation übel werden?

Die modernen Medikamente lösen wesentlich seltener als früher Übelkeit aus. Dennoch können wir leider auch heute noch keine Gewähr für ein Aufwachen ohne Übelkeit geben. Das Auftreten von Übelkeit hängt von der persönlichen Veranlagung und der durchgeführten Operation ab. Bei bekannter Veranlagung können wir jedoch vorbeugende Maßnahmen ergreifen, weswegen Sie dies Ihrem Anästhesisten im Aufklärungsgespräch mitteilen sollten.

Wann kann ich wieder essen und trinken?

Um Übelkeit oder Erbrechen zu vermeiden, sollten Sie mit dem Trinken mindestens bis zur kompletten Wachheit warten. Feste Nahrung können Sie einnehmen, wenn Sie die Getränke gut vertragen haben. Je nach Art der Operation, insbesondere nach Operationen an den Bauchorganen, wird auch mehr Zeit zur Erholung benötigt.

Wann bin ich wieder richtig wach?

Schon wenige Minuten nach Ende der Operation können Sie selbst wieder ausreichend atmen und wir können uns mit Ihnen verständigen. Bis Sie wieder wach genug für Aktivitäten, wie Lesen, Fernsehen u. ä. sind, vergehen jedoch manchmal eine, je nach Größe der Operation auch mehrere Stunden.

St. Pauli-Deich 24 • 28199 Bremen • Tel. 0421 / 55 99-0